Kaum eine Frage beschaeftigt potenzielle E-Auto-Kaeufer so sehr wie die nach den Stromkosten. Ist das elektrische Fahren wirklich guenstiger als Benzin oder Diesel? Die kurze Antwort: Ja, meistens. Aber es kommt auf den Tarif, die Ladegewohnheiten und den Fahrzeugtyp an. Wir rechnen vor.
Die wichtigsten Ladearten im Vergleich
Wo Sie laden, bestimmt massgeblich die Kosten. Es gibt vier typische Szenarien:
- Zuhause laden (Hausstromtarif): ca. 30-35 ct pro kWh
- Zuhause laden (mit PV-Ueberschuss): ca. 6-8 ct pro kWh (entgangene Einspeiseverguetung)
- Oeffentliches AC-Laden: ca. 35-55 ct pro kWh, je nach Anbieter und Tarif
- Schnellladen (DC, HPC): ca. 55-79 ct pro kWh, z.B. an der Autobahn
Beispielrechnung: 15.000 km im Jahr
Wir vergleichen ein typisches E-Auto mit einem vergleichbaren Verbrenner. Annahmen: E-Auto mit 18 kWh/100 km Verbrauch, Benziner mit 7 Liter/100 km, Diesel mit 6 Liter/100 km.
| Fahrzeugtyp | Verbrauch | Energiekosten/Jahr (15.000 km) | Kosten pro 100 km |
|---|---|---|---|
| E-Auto (zuhause, Hausstrom) | 18 kWh | 945 EUR (35 ct/kWh) | 6,30 EUR |
| E-Auto (zuhause, PV-Strom) | 18 kWh | 216 EUR (8 ct/kWh) | 1,44 EUR |
| E-Auto (oeffentlich AC) | 18 kWh | 1.296 EUR (48 ct/kWh) | 8,64 EUR |
| E-Auto (Schnellladen) | 18 kWh | 1.755 EUR (65 ct/kWh) | 11,70 EUR |
| Benziner | 7 L | 1.785 EUR (1,70 EUR/L) | 11,90 EUR |
| Diesel | 6 L | 1.290 EUR (1,43 EUR/L) | 8,60 EUR |
Die Rechnung zeigt: Wer zuhause laedt, faehrt mit dem E-Auto deutlich guenstiger. Besonders attraktiv ist die Kombination mit der eigenen Photovoltaikanlage. Selbst oeffentliches AC-Laden ist konkurrenzfaehig. Nur wer ausschliesslich an teuren Schnellladern laedt, hat kaum Kostenvorteile – aber auch kaum Nachteile.
Dynamische Stromtarife fuer E-Auto-Fahrer
Anbieter wie Tibber, Awattar oder Octopus Energy bieten stromboersen-gekoppelte Tarife an, bei denen der Preis stuendlich schwankt. Nachts, wenn die Nachfrage gering ist und viel Windstrom im Netz ist, sind die Preise oft extrem guenstig – unter 20 ct pro kWh. Wer sein E-Auto programmiert nachts laedt, kann die Kosten noch einmal drastisch senken.
Versteckte Kosten: Ladeverluste
Ein oft uebersehener Kostenfaktor sind die Ladeverluste. Bei der Umwandlung von Wechselstrom (aus der Wallbox) in Gleichstrom (im Akku) gehen etwa 10-15% der Energie als Waerme verloren. Aus 100 kWh aus der Steckdose werden also nur 85-90 kWh im Akku. Bei einem Jahresverbrauch von 2.700 kWh (15.000 km × 18 kWh/100 km) muessen Sie tatsaechlich etwa 3.100 kWh bezahlen. Das kostet bei 35 ct/kWh rund 140 EUR zusaetzlich im Jahr – ein Faktor, den viele Vergleichsrechnungen unterschlagen.
Fazit: Ein E-Auto ist beim Laden zuhause immer guenstiger als ein Verbrenner. Mit PV-Anlage und dynamischen Tarifen werden die Kosten minimal.
Ladekosten-Spartipps
- Wallbox installieren: Deutlich effizienter als Schuko-Laden, weniger Ladeverluste.
- PV-Anlage nachruesten: Senkt die Ladekosten von 35 ct auf 8 ct pro kWh.
- Dynamischen Tarif nutzen: Nachtstrom ab 18 ct pro kWh.
- Ladekarte vergleichen: Unterwegs Tarife der verschiedenen Ladeanbieter vergleichen.
- Vorklimatisieren am Netz: Im Winter vor der Abfahrt das Auto am Strom heizen, nicht am Akku.



