Das deutsche Stromnetz ist eines der laengsten der Welt – aber auch eines der meistbelasteten. Die Energiewende mit ihrem dezentralen Mix aus Wind- und Solarstrom bringt das Netz regelmaessig an seine Grenzen. Netzengpaesse fuehren zu teuren Eingriffen, die letztlich alle Stromkunden bezahlen. Wir erklaeren, warum das Netz unter Druck steht und wie sich das auf die Strompreise auswirkt.

Warum gibt es Netzengpaesse?

Das Stromnetz wurde historisch so gebaut, dass Strom von zentralen Kraftwerken zu den Verbrauchern fliesst. Mit der Energiewende hat sich dieses Modell auf den Kopf gestellt: Windstrom aus dem Norden muss in den Sueden transportiert werden, solare Ueberschuesse aus dem Sueden muessen im Rest des Landes verteilt werden. Die Netze sind dafuer nicht ausgelegt.

Die Folge sind Engpaesse: Das Netz kann nicht genug Strom transportieren, um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Dann muessen Netzbetreiber eingreifen:

Die Kosten der Netzengpaesse

MassnahmeKosten 2022Kosten 2023Kosten 2024Trend
Redispatchca. 4,2 Mrd. EURca 3,5 Mrd. EURca. 3,0 Mrd. EURSinkend
Einspeisemanagementca. 0,8 Mrd. EURca. 0,7 Mrd. EURca. 0,8 Mrd. EURStabil
Netzengpassmanagement gesamtca. 5,0 Mrd. EURca. 4,2 Mrd. EURca. 3,8 Mrd. EURSinkend

Diese Kosten werden auf die Netzentgelte umgelegt. Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt ueber die Netzentgelte pro Jahr etwa 20-30 Euro allein fuer das Engpassmanagement. Das klingt wenig, summiert sich aber ueber alle 45 Millionen Haushalte auf Milliardenbetraege.

Wie haengen Netzengpaesse und Strompreise zusammen?

Netzengpaesse beeinflussen die Strompreise auf zwei Wegen:

1. Direkt ueber die Netzentgelte

Je mehr die Netzbetreiber fuer Engpassmanagement ausgeben, desto hoeher sind die Netzentgelte. Die Netzentgelte machen etwa 23% des Haushaltsstrompreises aus. Regionen mit starkem Windkraftausbau und schwachem Netz (z.B. Schleswig-Holstein) haben hoehere Netzentgelte als Regionen mit starken Netzen.

2. Indirekt ueber die Stromboerse

Wenn das Netz ueberlastet ist, koennen guenstige Windstrommengen aus dem Norden nicht in den Sueden transportiert werden. Stattdessen muessen teure Gaskraftwerke im Sueden einspringen. Das verteuert den Boersenpreis, was ueber die Beschaffungskosten auch auf die Endkundenpreise durchschlaegt.

Die Strompreiszonen-Debatte

Eine viel diskutierte Loesung ist die Aufteilung Deutschlands in mehrere Strompreiszonen – wie es sie in Skandinavien oder den USA laengst gibt. In einer noerdlichen Zone mit viel Windstrom waere der Strom dann guenstiger als im Sueden mit wenig EE-Erzeugung. Das wuerde Anreize setzen, Industrie und Rechenzentren im Norden anzusiedeln, wo der Strom billig ist.

Die grosse Sorge: Stromintensive Industrie im Sueden (Bayern, Baden-Wuerttemberg) wuerde hoehere Preise zahlen. Das koennte Arbeitsplaetze gefaehrden und den Strukturwandel im Sueden beschleunigen. Deshalb ist die Debatte politisch aufgeladen – eine Entscheidung steht weiterhin aus.

Fazit: Netzengpaesse sind eine direkte Folge der regional ungleichen Energiewende. Der Netzausbau ist der wichtigste Hebel, um die Kosten fuer das Engpassmanagement zu senken – aber er kommt nur langsam voran.

Was bringt die Zukunft?

Drei Entwicklungen koennten die Situation entspannen:

Bis dahin werden Netzengpaesse ein Kostentreiber bleiben – und ein Thema, das jeden Stromkunden betrifft.